Kinder in der Isolation

Das, was wir gerade durch das Corona-Virus erleben, verunsichert uns sehr.

Und nicht nur uns. Auch unsere Kinder sind verunsichert und spüren die Verunsicherung Ihrer Eltern. Dazu müssen die Kinder noch nicht einmal vor den leeren Regalen im Supermarkt stehen.

Die Veränderung ist auch zu Hause zu spüren. Vielleicht sind Papa und Mama nun ständig zu Hause. Arbeiten nun am Esstisch oder haben Zeit, den Keller aufzuräumen. Vielleicht sind Papa und Mama nun aber dennoch angespannter als sonst und reden auch anders mit einander.

All das bekommen die Kinder sehr früh mit. Und sie suchen nach Erklärungen.

Sie verstehen auch nicht, warum plötzlich nicht mehr die anderen Kinder zu ihnen kommen dürfen. Warum man bei dem schönen Wetter nicht einfach auf den Spielplatz gehen kann …

Kinder wollen die Welt und was um sie herum geschieht verstehen. Eltern sollten daher offen mit Ihrem Kind darüber sprechen.

Die Nachrichten überschlagen sich. Ständig hören und lesen wir Neues. Fachleute überall. Jeder weiß jetzt irgendetwas und fühlt sich berufen, sein Wissen zum Virus und dem Umgang damit kundzutun.

Widersprüchliche Aussagen von anerkannten Experten machen es nicht gerade leichter, hier die Ruhe zu bewahren.

Vielen Erwachsenen fällt das bislang schwer zu begreifen, was das Virus mit uns und unserem Leben macht. Diese Verunsicherung überträgt sich schnell auf Kinder.

Wie erkläre ich meinem Kind die Situation?

Das Wichtigste ist nun: hören Sie Ihrem Kind zu!

Hören Sie, welche Gedanken sich das Kind macht, welche Sorgen oder vielleicht Ängste in ihm sind.

Und antworten Sie auf diese Punkte und die vielleicht konkret gestellten Fragen. Antworten Sie ehrlich. Kinder spüren in ihrer Not, ob Sie es ernst meinen oder nicht.

Notlügen sind keine besseren Lügen. Sie verunsichern Kinder nur noch mehr.

Seien sie offen und ehrlich. Auch, wenn Ihr Kind vielleicht Tag für Tag die gleichen Dinge und Eindrücke erzählt.

Dann wissen Sie, das Kind beschäftigt sich noch immer damit und versucht, das zu verarbeiten.

Bleiben Sie bei der (altersgemäßen) Wahrheit. Auch wenn das bedeutet, dass Sie dem Kind sagen müssen, dass sie etwas selber nicht wissen und nicht verstehen.

Besonders hilfreich wäre es nun, dass Sie versuchen, die Wissenslücke zu schließen, um Ihrem Kind die Antwort nachzuliefern. Vielleicht können Sie (altersgemäß) gemeinsam recherchieren.

Wen könnte man fragen? Wo könnte man das nachlesen?

Damit vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Sie nicht alles wissen können und wissen müssen. Und dass dies nicht bedeutet, auf Antworten zu verzichten.

Wenn Sie selber Erkrankte in Ihrem Umfeld haben, erklären Sie Ihrem Kind, warum nun welche Maßnahmen wichtig sind. Erklären Sie Ihrem Kind altersgemäß und spielerisch auch die Hygienemaßnahmen, die nun notwendig sind.

Eine große Herausforderung und Sorge für viele Kinder ist, dass sie nun ihre Großeltern nicht sehen dürfen.

Erklären Sie Ihrem Kind unbedingt, dass das nichts mit ihm zu tun hat, sondern der Situation geschuldet ist. Erklären Sie Ihrem Kind, warum Besuche derzeit nicht möglich sind.

Wenn es in Ihren vier Wänden, wie eingangs beschrieben, nicht immer harmonisch zugeht, weil Sie selber gestresst sind und die Situation Sie immer wieder überfordert, dann erklären Sie das Ihrem Kind.

Ihr Kind soll auch hier Ihre Reaktion nicht auf sich beziehen, sondern verstehen, warum Sie so sind und sich so verhalten.

Sie merken es wahrscheinlich selber, wie dieser ungewohnte Ablauf des Alltags seine Herausforderungen an Sie stellt.

Wie schnell ist man aus den natürlichen Abläufen heraus. Geht später ins Bett und steht später auf.

Gerade jetzt aber ist es wichtig, die Tagesabläufe und die Struktur so gut wie möglich beizubehalten. Das bietet Sicherheit und Schutz. Tagesstrukturen sind für den Menschen schon immer wichtig gewesen. Nicht umsonst haben wir so viele „Einteilungen“ vorgenommen, wie das Erschaffen des Kalenders, der Jahreszeiten, der Uhrzeiten. Wir leben in Zyklen.

Behalten Sie also möglichst Ihre eingeführten und bisher sinnvollen Abläufe bei.

Und schmeißen Sie nun nicht alle Regeln über Bord!

Frei nach dem Motto: „Darauf kommt es nun auch nicht mehr an.“

Doch, gerade darauf kommt es jetzt besonders an. Behalten Sie Ihre Regeln bei. Das erleichtert den Alltag und den „Wiedereinstieg“ in die hoffentlich bald einkehrende „Normalität“.

Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind genügend Ausgleich hat. Zeit zum Spielen, der Aufenthalt und die Bewegung an der frischen Luft, ist auch jetzt enorm wichtig.

Geben Sie Ihrem Kind Halt und Geborgenheit und versuchen Sie verständnisvoll auf Bedürfnisse zu hören, die vielleicht nun verstärkt geäußert werden.

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